Mama & Kind

„Mama, mir langweilt sich!“

Seit dem zweiten Lockdown höre ich diesen Satz mindestens 10 Mal am Tag. Und ich verstehe meinen Sohn sehr gut. War doch sein Alltag geprägt von Spiel, Spaß und Spannung. Damals, vor vielen Tagen. Er lernt jetzt mehr und mehr sich selbst zu beschäftigen, sich zu langweilen. Und das ist nicht schlimm. Es schadet nicht, sich hin und wieder zu langweilen. Da entstehen die tollsten Ideen. Zum Beispiel werden alle Kissen und Decken vom Sofa gezogen, in den Flur gelegt und dort wird dann mit Getränk und Snack „gechillt“. Der große Betonmischer wird mit Wasser befüllt und es wird so getan, als ob Beton rauskommt. Das Kopierpapier wird zerschnibbelt. Die entwickelten Fotos werden aus dem Schrank geholt und im Wohnzimmer verteilt. Der nun abgebaute Plastikweihnachtsbaum wird abgeschmückt und wieder geschmückt (das hat er in der Weihnachtszeit täglich gemacht, während er in Ruhe sein großes Geschäft verrichtet hat). Der Schrank in der Küche wird ausgeräumt und wieder eingeräumt. Die Handtücher im Badezimmer werden im Flur verteilt. Die Bauklötze werden auskippt (zweimal täglich). Läuft. Macht nichts. Dann habe ich wenigstens keine Langeweile. Die hatte ich übrigens das letzte Mal in der 10. Klasse in den Ferien, als alle meine Freundinnen irgendwas anderes vor hatten und ich zuhause vor mich hingerottet bin.

Langeweile. Finde ich wichtig und richtig. Man kann doch nicht permanent „zu tun haben“. Da muss doch Platz sein für Ideen, Erfindungen, sich selbst Findungen, nachdenken, ausdenken.

„Denn wie würde man schließlich sonst merken, dass man Spaß hat, wenn man das Gegenteil – die Langeweile – nicht hätte?“ Ein Zitat aus dem Kinderbuch „Viel Spaß Willi Wiberg“ (Wir lieben die Bücher über Willi Wiberg.) trifft das, was ich meine, eigentlich ganz gut. Erst nach der Langeweile folgt doch der Spaß, die Lebensfreude. So, wie nach den Weihnachtsfeiertagen. Alle Geschenke sind ausgepackt, bespielt und sind jetzt langweilig. Tipp an dieser Stelle: Sortiert öfter mal die Spielsachen weg und kramt diese nach ein paar Wochen wieder raus. Hatte ich erst heute. Vor Wochen habe ich mehrere kleine Autos in einen Korb gelegt und auf einen Schrank gestellt. Habe den Korb heute meinem Sohn hingestellt. „Woah! Wo kommen die denn her?“ Zack, halbe Stunde Ruhe. Wäre da nicht Kind Nummer zwei. Die hat jetzt auch zwischendurch mal Langeweile, wenn dann alle Spielsachen um sie herum genauestens im Mund inspiziert wurden und von einer in die andere Hand genommen wurden. Denn jetzt will sie die Welt entdecken. Genauer: Unser Zuhause. Da muss halt mal die Wohnung auf Mamas Arm unter die Lupe genommen werden. Sich im Spiegel betrachtet werden, alles, einfach alles angefasst werden und, wenn möglich, in den Mund genommen werden.

Aus Langeweile entstehen die tollsten Sachen. Zum Beispiel Kunstwerke, Gärten, Kinder usw. Aus Langeweile habe ich im Alter von 8 Jahren meinen Barbypuppen die Haare abgeschnitten und die Gesichter angemalt. Aus Langeweile habe ich alle Harry Potter Bücher drei Mal durchgelesen.

„Warum hast du die Wand angemalt?“, fragte man mich auch damals. „Ich hatte Langeweile und keiner wollte mit mir spielen.“, hatte ich geantwortet, so, als ob jemand anderes Schuld dran war, dass die Wand da verunstaltet war.

Langeweile ist nicht schlimm, nur anstrengend für die anderen. Denn wenn mir absolut nicht langweilig ist und mein Kind in Dauerschleife „Mama, spielst du mit mir?“ fragt, dann ist Langeweile fehl am Platz und vor allem in der entstellten Küche am Montagmorgen, nachdem der Mann einen Abend zuvor Königsberger Klopse gekocht hat. Ich liebe es ja, dass mein Mann bei uns am Wochenende kocht. Aber die Küche ist danach renovierungsbedürftig. Lohnt sich trotzdem. Langeweile habe ich jedenfalls nicht. Also sehe ich zu, dass mein Sohn irgendwie integriert wird in das Aufräumen. Er darf Dinge wegbringen, Sachen reichen, beim Spülmaschineausräumen helfen. Das gefällt ihm. Ich bin dadurch zwar nicht schneller fertig, aber dadurch hat mein Sohn etwas zu tun, lernt etwas und fühlt sich gebraucht.

Wenn wir also, wie die letzten Tage wetterbedingt leider nicht raus können, machen wir drinnen viel Haushalt zusammen und natürlich spielen wir auch mal zwischen Wäsche machen und Staubsaugen. Wir Mütter sollten aber nicht den Animateur für unsere Kinder darstellen sondern immer noch Mütter, die arbeiten, auch mal Haushalt erledigen und auch mal Kaffee und Zeitschrift genießen dürfen und wenn die Langeweile doch hartnäckig bleibt, dann ist auch mal eine Folge „Die Sendung mit dem Elefanten“ sicherlich nicht kindeswohlgefährdend.

Was macht ihr bei Langeweile?

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28 | Verheiratet 💍 | ReNo | Pärchenmama

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